Seminararbeit

Fachhochschule Kärnten

 

Fachhochschule Kärnten

 

ILV: HTA Health Technology Assessment

Studiengang: Gesundheitsmanagement M.A., berufsbegleitend

Semester: 3, WS 2012/13

Datum: 18.02.2013

dampfen einer e-Zigarette

Autorin:  Sandra Hornung

E-Mail:  Sandra.Hornung@edu.fh-kaernten.ac.at

Inhalt

Zusammenfassung.

1        Technologie/ Verfahren.

1.1        Hintergrund.

1.1.1        Epidemiologie: Zigarettenkonsum

1.1.2        Klassifikation von Nikotinabhängigkeit/ Tabakabhängigkeit

1.1.3        Gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen des Rauchens

1.2        Beschreibung der Leistung/ Technik

1.2.1        Epidemiologie: Nutzung der e-Zigarette

1.2.2        Zahl der Anbieter

1.2.3        Rechtliche Situation

1.2.4        NRT/ Rauchausstieg

1.3        Indikation und therapeutisches Ziel

1.4        Geschätzter Leistungsumfang & Kosten

2        Literatursuche und -auswahl

2.1        Fragestellung

2.2        Einschlusskriterien

2.3        Literaturrecherche

2.4        Literaturauswahl e-Zigarette

2.5        Literaturauswahl Nikotinabhängigkeit

3        Beurteilung der Qualität der Studien

4        Datenextraktion

5        Qualität der Evidenz

6        Diskussion

7        Handlungsoptionen/ Empfehlungen

8        Literaturverzeichnis

Anhang

Suchstrategien

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

 

APA American Psychological Association
COPD Chronic obstructive pulmonary disease
DSM IV Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
(Version IV)
ENDD Electronic Nicotine Delivery Device
ENDS Electronic Nicotine Delivery Systems
e-Zigarette Elektronische Zigarette
GRADE Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation
ICD 10 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems
NA Not applicable
NRT Nicotine Replacement Therapy
PICOS Population, Intervention, Control, Outcome, Study design
RCT Randomized controlled trial
RoHS Restriction of (the use of certain) hazardous substances
VdeH Verband des eZigarettenhandels e. V.
WHO World Health Organization

 

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung

Die elektronische Zigarette, kurz e-Zigarette genannt, ist ein elektrisches Gerät, das die Simulation des Rauchens einer Zigarette imitiert. Die vorliegende Arbeit untersucht, wie geeignet die e-Zigarette zur Entwöhnung bzw. Aufgabe des Rauchens ist.

Methode

Es wurde eine begrenzte systematische Literatursuche in mehreren Datenbanken durchgeführt und zusätzlich durch eine eingeschränkte manuelle Suche ergänzt. Auch wurden Internetseitenbetreiber von Vergleichsseiten, fünf Hersteller verschiedener e-Zigarettenmarken und der Verband des eZigarettenhandels bezüglich weiterer Informationen kontaktiert. Die Literaturauswahl als auch der Studienein- bzw. -ausschluss erfolgten durch die Autorin.

Diese wären nun von einer anderen wissenschaftlichen Person zu prüfen und ggf. zu diskutieren.

Die Datenextraktion wurde ebenfalls von der Autorin durchgeführt und beinhaltet zwei randomisierte kontrollierte Studien als auch ein Health Technology Assessment.

Die Qualität der Evidenz wurde anhand der vorliegenden Daten bewertet.

Ergebnisse

In den identifizierten Studien finden sich Hinweise darauf, dass e-Zigaretten das Verlangen Rauchen zu wollen reduzieren können. Auch die damit zusammenhängenden Entzugserscheinungen, wie Angst, schlechte Konzentration, Unsicherheit, Unruhe und Depressionen werden vermindert. Frauen scheinen weniger auf das gelieferte Nikotin anzusprechen als verstärkt auf die Sensomotorik der e-Zigarette.

Eine Studie rekrutierte 43 Frauen und 43 Männer mit einer Altersspanne von 18-52 Jahren. Das Verlangen zu Rauchen reduzierte sich für Männer statistisch signifikant stärker bei der Interventions-gruppe (18 mg Nikotin e-Zigarette) verglichen mit der Placebo-Gruppe (0 mg Nikotin e-Zigarette).

Verglichen mit einem Nikotin-Inhalator befriedigt die e-Zigarette bereits nach 10 (mit 0 mg Nikotin) bzw. nach 15 Minuten (mit 16 mg Nikotin) den Wunsch zum Rauchen, während erster 20 Minuten benötigt.

Langzeitstudien zur Behandlung nikotinabhängiger Patienten mittels e-Zigaretten zur Rauchent-wöhnung wurden via Online-Surveys durchgeführt. Diese weisen darauf hin, dass sich durch den Gebrauch von e-Zigaretten die Bewusstheit für das eigene Rauchverhalten erhöht und eine Reduktion des normalen Zigarettenkonsums zwischen 66,8% und 80% erreicht werden kann.

Nebenwirkungen der e-Zigarette sind Irritationen im Mund- und Rachenbereich als auch Übelkeit und Kopfschmerzen. Die Irritationen treten deutlich seltener, verglichen mit einem Nikotin-Inhalator, auf. In einer nicht repräsentativen Ein-Personen-Studie wurde von einer exogenen Lipoidpneumonie berichtet.

Schlussfolgerung und Empfehlung

Aufgrund der wenigen randomisierten kontrollierten Studien und der erheblichen qualitativen und quantitativen Mängel ist die Qualität der vorliegenden Evidenz als sehr niedrig zu bewerten. Insgesamt ist die vorhandene Evidenz noch nicht ausreichend, um die Wirksamkeit und die Sicherheit von e-Zigaretten zur Behandlung der Rauchentwöhnung verglichen mit bestehenden NRTs (Nikotinersatztherapien) beurteilen zu können. Die Aufnahme in den Leistungskatalog wird derzeit nicht empfohlen.

1                  Technologie/ Verfahren

1.1      Hintergrund

1.1.1      Epidemiologie: Zigarettenkonsum

In Europa rauchen fast ein Drittel der Bürger (28%). Geografisch betrachtet finden sich im südlichen Raum, besonders in Griechenland deutlich höhere Raucherquoten (Griechenland über 40%). Schweden und Finnland hingegen weisen die geringsten Anteile mit 16% bzw. 21% auf [1, 2].

Konventionelle Filterzigaretten sind das am Häufigsten konsumierte Tabakprodukt. Durchschnittlich werden von einem europäischen Raucher 14,4 Zigaretten pro Tag geraucht.

In Österreich liegt das durchschnittliche Alter des Rauchbeginns bei 18,6 Jahren und das des Rauch-ausstiegs bei 38 Jahren. Das bedeutet: durchschnittlich wird 19,4 Jahre geraucht. Die Gesundheits-befragung 2006/ 2007 ergab zudem, dass 23,2% der Österreicher täglich rauchen, davon 27,3% Männer und 19,4% Frauen. Wie beim europäischen Durchschnitt werden vorwiegend Schachtel-zigaretten konsumiert (Männer: 95% und Frauen: 98,8%). 36,3% aller befragten Raucher wurde bereits von einem Arzt geraten mit dem Rauchen aufzuhören [3, 1].

1.1.2      Klassifikation von Nikotinabhängigkeit/ Tabakabhängigkeit

Allerdings gestaltet sich der Rauchausstieg nicht so einfach wie dargestellt, denn Nikotin besitzt ein hohes Abhängigkeitspotential, das das von anderen substanzgebundenen Süchten bei Weitem übersteigt [4]. In der Fachliteratur wird zwischen den beiden Begriffen Nikotin- und Tabakabhängigkeit unterschieden.

Die WHO (World Health Organization) spricht in der International Classification of Diseases von Tabakabhängigkeit, weil das in Tabak enthaltene Nikotin nicht der einzige suchterzeugende Stoff ist.

Der aktuelle Tabakkonsum ohne Abhängigkeit wird als Z72.0 codiert. Daneben wird noch unterschieden zwischen einem schädlichen Gebrauch von Tabak, der mit der Abhängigkeit einhergeht (F17.1), die Abhängigkeitssymptome (F17.2) und Entzugserscheinungen (F17.3) [5].

Wird von einer Tabakabhängigkeit mit Abhängigkeitssymptomen gesprochen, so müssen von den folgenden sechs Kriterien mindestens drei innerhalb der letzten 12 Monate in Erscheinung getreten sein:

  • Starker Wunsch oder Zwang Tabak zu konsumieren.
  • Eingeschränkte Kontrolle über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums.
  • Entzugserscheinungen bei Reduktion oder Beendigung des Konsums, sowie Konsum, um die Entzugserscheinungen zu mildern.
  • Toleranzentwicklung: Um eine gleichbleibende Wirkung zu erzielen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich.
  • Zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Interessen zugunsten des Konsums.
  • Anhaltender Konsum trotz des Nachweises von Folgeschäden.

Die APA (American Psychological Association) spricht von Nikotinabhängigkeit, bezieht sich hierbei also nur auf die konkrete Substanz. Im DSM IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) werden die diagnostischen Kriterien für Nikotinentzugssyndrome wie folgt beschrieben:

  • depressive/ dysphorische Stimmung
  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit oder Aggressivität
  • Nervosität, Unruhe und Besorgnis
  • verminderte Konzentrationsfähigkeit
  • verlangsamter Puls
  • gesteigerter Appetit oder Gewichtszunahme

Ein weiteres Kriterium besteht darin, dass diese Symptome Leiden in sozialen, beruflichen oder anderen Funktionsbereichen verursachen und nicht anderweitig durch medizinische oder psychische Krankheitsfaktoren erklärbar sind [6-8].

1.1.3      Gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen des Rauchens

Viele Krebsarten (v.a. Lungenkrebs), kardiovaskuläre Krankheiten und chronische Erkrankungen der Atemwege, wie COPD (Chronic obstructive pulmonary disease) oder chronische Bronchitis sind nachweislich mit dem Tabakkonsum verbunden. Die nachfolgende Tabelle listet die vom Tabakrauch verursachten Krankheitsbilder auf, die auch von der WHO genannt werden [2, 6, 9, 10].

Tabelle 1: Krankheitsbilder, die von Tabakrauch verursacht werden [6]

Krebserkrankungen
LungenkrebsMundhöhlen-, Kehlkopf- und SpeiseröhrenkrebsHarnleiter-, Blasen- und NierenkrebsMagen- und BauchspeicheldrüsenkrebsGebärmutterkrebsLeukämie
Herz- und Kreislauferkrankungen, Gefäßerkrankungen
Koronare Herzerkrankungen (Herzinfarkt)Zerebrovaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall)BauchaortenaneurysmaArteriosklerose
Atemwegserkrankungen
Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD)LungenentzündungAkute und chronische Bronchitis
Anderes
SchwangerschaftskomplikationenUnfruchtbarkeit bei FrauenImpotenz bei MännernMagen- und ZwölffingerdarmgeschwürNiedrige Knochendichte

 

Diese Erkrankungen stellen z.T. erhebliche finanzielle Belastungen für die Volkswirtschaft eines Landes dar. Zu unterscheiden gilt zwischen den direkten, den indirekten und den intangiblen Kosten. Während erstere zu Lasten des Gesundheitswesens gehen und u.a. die Kosten der Behandlung und Pflege durch tabakbedingte Krankheiten umfassen, muss die Volkswirtschaft die indirekten Kosten für Produktionsausfälle aufgrund von Arbeitsunfähigkeit und vorzeitigem Tod tragen. Auch die Kosten der Frühverrentung fallen hierunter.

Für Deutschland werden die tabakbedingten Kosten auf etwa 33,55 Milliarden € jährlich geschätzt. Wovon etwa ein Drittel direkte Kosten für das Gesundheitswesen (8,66 Milliarden €) und etwa zwei Drittel indirekte Kosten durch Produktionsausfälle und Frühverrentungen (24,89 Milliarden €) darstellen. Die intangiblen Kosten beinhalten zudem die Einschränkungen der Lebensqualität, Leid und Schmerzen der Betroffen. Aufgrund der schweren Erfassbarkeit bleiben sie häufig außen vor, oder es werden 100.000 $ pro verlorenem Lebensjahr geschätzt. Würden diese Kosten noch zu den direkten und indirekten Kosten hinzu gerechnet, so beliefen sich die gesundheitlichen Gesamtkosten für den Tabakkonsum auf weit über 70 Milliarden €.

Am Teuersten mit 40% aller Krankheitskosten sind tabakbedingte Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen machen etwa ein Drittel und Atemwegserkrankungen etwas mehr als ein Viertel aus [4, 11].

 

1.2      Beschreibung der Leistung/ Technik

Seit 2003 ist die e-Zigarette in ihrer aktuellen Form auf dem Markt [12]. Sie besteht aus einem Akku, einem Verdampfer, einer Heizspirale sowie einem Depot mit den Betriebsflüssigkeiten, auch Liquids oder Juices genannt. Sobald am Mundstück gesogen oder eine spezielle Taste drückt wird (das ist vom Modell abhängig), erhitzt der Verdampfer die Liquids bei 65 bis 120 Grad Celsius und verdampft sie. Die Flüssigkeitskartuschen bestehen zu 90% aus Propylenglykol, das als Zusatzstoff für Kosmetika und für Nahrungsmittel zugelassen ist. Weiter können sie unterschiedliche Konzentrationen von Nikotin, verschiedene Geschmacksstoffe/ Aromen und z.T. auch Glyzerin enthalten.

Aufgrund des verdampften Propylenglykols entsteht ein Nebel, der wie beim „normalen“ Zigarettenrauchen ausgeatmet wird. Die e-Zigarette dampft und erhitzt sich nur dann, wenn sie eingeschaltet bzw. an ihr gesogen wird. Zur Imitation der Glut leuchtet beim Ziehen am Mundstück bei einigen Modellen eine farbige Leuchtiode. [12-14]. Abbildung 1 illustriert das Prinzip der e-Zigarette.

Prinzip der e-Zigarette
Abbildung 1: Prinzip der e-Zigarette [15]
 

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