1.2.1 Epidemiologie: Nutzung der e-Zigarette

7% der EU Bürger geben an die e-Zigarette bereits ausprobiert zu haben. Allerdings erscheint der regelmäßige Gebrauch eher selten.

In Österreich haben ca. 4% der Bürger die e-Zigarette ein- oder zweimal ausprobiert und je 1% nutzen sie regelmäßig oder gelegentlich. Interessanterweise glauben 42% der Österreicher, dass der Gebrauch nicht schädlich ist (27% glauben sie sei schädlich und 31% wissen es nicht) [2].

Laut dem Verband des eZigarettenhandels gibt es europaweit ca. 7. Millionen e-Zigaretten-Konsumenten. In Deutschland sind es 2 Millionen. In Österreich wird die Nutzerzahl auf unter 200.000 Konsumenten geschätzt, was bei 8.460.390 Einwohnern eine Konsumentenquote von 2,36% bedeuten würde [16].

1.2.2   Zahl der Anbieter

Etwa 100 deutsche Händler und Hersteller sind im Verband des eZigarettenhandels e.V. organisiert. Das sind nach Umsatz etwa 80 Prozent des deutschen Handels. Es gibt eine Vielzahl von meist kleinen Anbietern, die hinzukommen. Der Verband schätzt deutschlandweit etwa 300 Anbieter. Europaweit wird von ca. 2.500 Händlern ausgegangen.

Aufgrund der rechtlichen Situation gibt es keine Daten über Hersteller oder Vertreiber im österreichischen Markt [16].

Eine Übersicht verschiedener Hersteller von e-Zigaretten ist in Tabelle 2 angeführt.

Tabelle 2: Auswahl an Herstellern von elektronischen Zigaretten

Hersteller, Land Modelle
Shenzhen Joyetech Co., Ltd., China
  • Joytech eVic
  • Joytech eRoll
  • Joytech eCab
  • Joytech eGo-C
  • Joytech eGo-T
  • Joytech 510
  • Joytech 510-T
  • Joytech eGo
Dragonite International Ltd., China
  • Ruyan Jazz
  • V10 Starterkit
Shenzhen FIRST UNION Technology Co., Ltd., China
  • E-Zigarette F131A1
  • E-Zigarette F706AL
  • E-Zigarette YH4801
  • E-Zigarette F703AQ
  • F 700
  • EGO
  • E-Zigarette YH4803B
  • E-Zigarette S818
  • E-Zigarette S812B
  • IGO4E
  • IGO3
  • YJ4902A
  • YJ4903A
  • S808D-2
  • S801B1-3
  • YJ4916
  • YJ4927
  • YJ4929
  • iTougar3
  • KGO-T
  • EGO-T(CE4)
  • VGO-T(CE4)
  • VGO-T
  • EGO-T(B)
  • Ego-W
  • Ego-C
  • YJ4915A
  • YJ4916A
  • F510
  • 510-X
  • -RN-Serie
  • S Serie
Safecig, USA
  • Original System
  • Micro System
Riccardo, Deutschland
  • Starterset classic
  • Riccardo Einwegzigarette
  • Riccardo EGO C-Modell 1100
  • Riccardo EGO T-Modell 1100
  • Riccardo EGO Modell Viper
VitaSmoke, Deutschland
  • Vitarette X-trio
  • Vitarette X10
  • Vitarette XT
  • X-Power
Moore and More AG, Schweiz
  • SuperSmoker
  • SuperSmokerZero
  • SuperSmoker Zero Pro

 

1.2.3   Rechtliche Situation

Europaweit herrschen derzeit unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen zur e-Zigarette. Aufgrund fehlender einheitlicher regulatorischer gesetzlicher Richtlinien floriert der meist über das Internet vertriebene Handel.

Nach Beschluss des Abgrenzungsbeirates unterliegt die e-Zigarette in Österreich mehreren Produkt-kategorien. Ist Nikotin in den Kartuschen enthalten, so wird es als Arzneimittel gem. § 1 Arzneimittelgesetz deklariert. Der Inhalationsteil der elektrisch betriebenen Zigaretten gilt gemäß § 5 Abs.1 Medizinproduktegesetz als Medizinprodukt. Das Gutachten des Abgrenzungsbeirats des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen weist ausdrücklich darauf hin, dass e-Zigaretten, welche im Strukturvertrieb (d.h. z.B. über das Internet) angeboten werden, in Österreich nicht zugelassen sind [12, 17, 18].

Wird die e-Zigarette allerdings direkt vertrieben und enthalten die Kartuschen keinerlei Nikotin und wird der Inhalationsanteil auch nicht dazu zweckbestimmt, ein Arzneimittel anzuwenden, so liegt in Österreich keine Arzneimitteleigenschaft bei der Kapsel vor und der Inhalationsanteil ist auch nicht als Medizinprodukt einzustufen. In diesem Fall sind die Kartusche und der Inhalationsanteil direkt vertreib- und erwerbbar [19].

1.2.4      NRT/ Rauchausstieg

Einen definitiven Goldstandard in der Behandlung der Tabakabhängigkeit gibt es nicht.

Rauchentwöhnung scheint effektiver zu sein, wenn sie auf mehreren Ebenen ansetzt [6]. In der Literatur finden sich mehrere Modell zum Rauchausstieg [6, 20].

Es finden sich unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten, welche vereinfacht in der nachfolgenden Tabelle abgebildet sind [4, 6, 21]. Auch wird derzeit an Impfungen gegen Tabakabhängigkeit geforscht [22].

Als Nikotinersatztherapien (NRTs) gibt es unterschiedliche Präparate auf dem Markt. Kennzeichen der NRTs ist die Abnahme der Entzugserscheinungen [27]. Nikotinhaltige Pflaster liefern, verglichen mit anderen NRTs, dem Körper deutlich langsamer Nikotin. Kaugummis, Nasensprays, Inhalatoren und Lutschtabletten bzw. Tabletten wirken zwar schneller, verglichen mit einer normalen Zigarette jedoch langsamer. NRTs wirken ohne zusätzliche Beratungsgespräche und erhöhen die Ausstiegsrate um 50-70%. Auch erweist sich eine Kombination aus Pflaster (langsamer wirkend) und einem schneller wirkenden NRT (bspw. Kaugummi oder Inhalator) als langfristig wirksamer [23, 24].

Nebenwirkungen sind von den jeweiligen Produkten abhängig. So können bei Pflastern Haut-irritationen und bei Kaugummis, Sprays und Inhalatoren ein trockener Mund und Irritationen im Rachenbereich auftreten [23, 25].

Etter et al. fanden hingegen heraus, dass die Behandlung mit NRTs über 6 Monate keine evidenten Auswirkungen auf den Rauchausstieg haben [26]. Um letztlich einen endgültigen Rauchausstieg zu erreichen, bedarf es mehrerer Faktoren wie das Erlernen von Wissen bzgl. der eigenen Sucht und alternativer Copingstrategien [27]. Auch wirkt sich ein hoher sozioökonomischer Status, verbunden mit einem vorwiegend rauchfreien und stabilen sozialen Netzwerk wesentlich auf die Dauer der Rauchabstinenz und letztlich auf den Rauchausstieg aus [28].

Tabelle 3: Übersicht der Maßnahmen zur Rauchentwöhnung [4]

Maßnahmen zur Raucherentwöhnung

61% der europäischen Raucher haben bereits einmal in ihrem Leben einen Aufhörversuch hinter sich. 21% haben es innerhalb der letzten 12 Monate versucht. Die Mehrheit der Raucher (66%) versucht ohne Hilfe mit dem Rauchen aufzuhören, 22% nutzt Nikotinersatzpräparate, und je 7% einen Arzt oder die e-Zigarette. Auch geben 74% der ehemaligen Raucher an ohne Hilfe aufgehört zu haben, doch die restlichen 26% haben unterschiedliche Hilfen in Anspruch genommen [2]. Inwiefern hierbei auch Selbsthilfemaßnahmen, wie Bücher/ Broschüren, Videos/ DVDs, CDs oder computerbasierte Interventionen genutzt werden bleibt offen [29].

 

1.3                Indikation und therapeutisches Ziel

Aufgrund der ähnlichen Haptik als auch der Produktion von Rauch könnte die e-Zigarette als kurative Behandlung der Nikotinabhängigkeit als auch der Entzugssymptome eingesetzt werden [30-34]. Therapeutisches Ziel ist einen langfristigen Rauchausstieg von mehr als 6 Monaten zu erreichen.

1.4                Geschätzter Leistungsumfang & Kosten

Die Anwendung der e-Zigarette kann wie die meisten anderen NRTs im Alltag der Betroffenen erfolgen. Die aktuellen Präparate zur Nikotinersatztherapie, wie nikotinhaltige Kaugummis, -Pflaster, Inhalatoren oder die beiden rezeptpflichtigen Medikamente Zyban (Wirkstoff: Bupropion) oder Champix (Wirkstoff: Vareniclin) variieren in ihrer Wirksamkeit als auch in ihren Preisen deutlich. Die Spanne reicht von etwa 4,55 € bis 187 € [21].

Aufgrund der Vielzahl an Herstellern und Produkten von e-Zigaretten wird bei der folgenden Berechnung von einem Starterpaket ausgegangen.

Dieses enthält in aller Regel das Gerät „e-Zigarette“, ein USB-Ladegerät, ein Netzladegerät, eine Anzahl von Akkus und Verdampfern. Pauschal werden hierfür 70 € kalkuliert.

Zu den Verschleißteilen zählen die Akkus und der Verdampfer. In der Beispielrechnung wird davon ausgegangen, dass der Akku jeden zweiten Monat ausgetauscht werden muss. Das bedeutet es werden 6 Akkus pro Jahr à 15 € benötigt, was rechnerisch 90 € ergibt. Durch die ständige Erhitzung unterliegt der Verdampfer (auch Zerstäuber oder Atomizer genannt) einem direkten mechanischen Verschleiß. Die Erneuerung wird hypothetisch einmal pro Monat durchgeführt und kostet 12 €, was jährlich 144 € macht [35].

Um die Ergiebigkeit einer Flüssigkeitskartusche einschätzen zu können, wird die Anzahl der Rauchzüge (Inhalationen) herangezogen. Pro Tag werden durchschnittlich 120 Inhalationszüge an einer e-Zigarette gemacht [32]. E-Zigarettenraucher geben an, dass sie Ihre e-Zigarette im Schnitt 5-mal pro Tag nachfüllen und sie im Monat etwa 2 Flüssigkeitskartuschen (à 18 ml) benötigen. Liquids werden in unterschiedlichen Preisklassen angeboten (zwischen 5 und 10 €). Zur vereinfachten Berechnung wird mit 20 € für 2 Kartuschen monatlich gerechnet, was tägliche Kosten von rund 67 Ct ergibt [35].

Tabelle 4: Beispielrechung für e-Zigarette

Preis

Starterset

70 €

Akkus

90 €

Verdampfer

144 €

Liquids

243,33 €

jährlich

547,33 €

monatlich

45,61 €

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